12.03.2010
Über Wut
Ausstellung, Filme, Diskurs, Performance, Wuträume
Im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, vom 14.03. – 09.05.2010
„Gibt es eine neue Kultur der Wut?“, fragen die kosmopolitischen Macher im Haus der Kulturen der Welt provokant. Den Versuch einer Antwort wagen international anerkannte Künstler im Rahmen dieser ungewöhnlichen Veranstaltung. „ÜBER WUT“ nimmt sich der zerstörerischen Kraft dieser Emotion ebenso an, wie sie ihr Potenzial zur Veränderung durchleuchtet.
Vieldimensional nähern sich die Veranstalter einem der brennendsten Herausforderungen. Sie zeigen eine Ausstellung und Filme, bieten zudem eine Plattform für Lectures. „Wuträume“ ermöglichen die eigene kreative Auseinandersetzung mit dem Thema, das in einem „Wut-Gipfel“ mündet. Teils feinfühlig, teils von schwer aushaltbarer Intensität durchdrungen, erwarten den Besucher Werke, die sich dem Zustand der Wut auf allen Ebenen widmen. Verschweigen auch nicht die seelischen Nachbeben nach der Entladung.
Zu sehen sind unter anderem großflächige Zeichnungen Seher Shahs. 1975 in Pakistan geboren, lebt sie heute in den USA und erschafft Landschaften, die wie Seelenbilder anmuten. Dem Märtyrerkult widmet sich der gebürtige Iraner Shoja Azaris in seiner Videoarbeit „Final Judgement“. Beitrag des US-Amerikaners Jimmie Durhams ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gründungsmythos seines Heimatlandes. Die Eröffnungs-Performance gestaltet Regina José Galindos, in der sie koloniale Ausbeutung mit der Gewalttätigkeit des „Dritten Reichs“ verknüpft.
Filmisch verarbeitet sind Themen wie der Zerfall eines Staates durch Bestechlichkeit und negieren jeglicher Ordnung („Orchesterprobe“/ Regie Fellini). Bilder und Töne aus Palästina, Nazideutschland, Lateinamerika und Vietnam wechseln und mischen sich in „Hier und anderswo“ (Regie Godard). Einblick in ethnischen Hass am Beispiel Indiens gewährt „Final Solution“ (Regie Sharma). Rainer Werner Fassbinder erzählt die Geschichte eines Amokläufers („Warum läuft Herr R. Amok?“).
Diese umfangreiche, differenzierende Veranstaltung birgt mehr Facetten und Werke, als sich hier aufzählen lassen. Genaue Informationen liefert das Internet unter: www.hkw.de.