Ist Luigi Colani Exzentriker oder Genie? Oder vielleicht beides? Das Wort „Visionär“ fällt am häufigsten, wenn über den Stardesigner gesprochen wird. Denn sein Stil setzte ab den 1960er Jahren völlig neue Akzente. Biomorph nannte er seine Designs, die geprägt sind von Rundungen und Wellenlinien, die er der Natur abschaute.
Wer die Vita von Luigi Colani (geboren 1928 in Berlin) liest, erfährt, dass ihm gar nichts anderes übrig blieb, als ein kreativer Kopf zu werden. Die Eltern verboten jegliches fertiges Spielzeug. Statt dessen erhielt er ein Bastelzimmer, in dem er die Spielgeräte, wie Flugzeuge oder Autos, selbst herstellen durfte. Er lernte den Umgang mit Gips, Ton, Holz und Metall und konnte bereits mit vier Jahren löten. Ab 1946 studierte er Bildhauerkunst und Malerei an der Berliner Hochschule für Bildende Künste, danach Aerodynamik an der Pariser Sorbonne.
Ein Gegenstand konnte nicht zu groß oder klein sein, nicht zu bedeutend oder trivial, um von Colani gestaltet zu werden. Er wandte sich Möbeln zu und Autos, aber auch Gebrauchsgegenständen. Er kreierte eine futuristische Kugelküche, einen Konzertflügel (den beispielsweise Prince und Lenny Kravits besitzen) und entwarf sogar ein Spaceshuttle. Alles in den typischen fließenden, biodynamischen Formen. Es finden sich keine Ecken und Kanten, dafür sehr viel Ergonomisches. Die berühmte TV-Relax-Liege des Trendsetters findet sich in der Münchner Pinakothek der Moderne. Seit 1995 entwirft er eine ganze Stadtlandschaft nahe Shanghai: die Eco-City, mit Prallelen zu Form und Funktion des menschlichen Körpers.
Noch heute wirken die Colani-Möbel modern bis futuristisch. Aus Kunststoff geschaffen, ließen sich die Sitzmöbel drinnen wie draußen verwenden und brachten damit starre Grenzen zum Fließen. Das gilt für die frühen Jahre des Designers ebenso wie heute. Denn immer noch werden lizenzierte Stücke in Kleinserien gefertigt und vertrieben. Colani ist einfach zeitlos.
Kaum ein Raum erfuhr in den letzten Jahren so viel Aufwertung wie die Küche. Wobei ein eigener Raum für Herd, Spüle und Geschirrschrank definitiv out ist. Die Küche von heute fügt sich in Fläche und Möblierung dem Ambiente des Wohnzimmers nahtlos an. Diese Verschmelzung bildet das neue interfamiliäre Zentrum. Und auch Partygäste drängen sich um Mitternacht nun nicht mehr auf engstem Küchenraum, sondern verteilen sich zwanglos zwischen Esstheke und Wohnlandschaft.
Dieser fortlaufende Trend zeigt sich auch in den Farben der neuen Saison: Knallfarben werden durch erdige Töne abgelöst. Auch die Spüle zeigt sich in Creme oder anderen warmen Farben. Kochstationen verstecken sich hinter dekorativen Fronten. Die Glasvitrine ist weiterhin im Trend. So passen sich die Küchenmöbel dem Wohnzimmer wunderbar an und es wächst stilistisch zusammen, was in 2011 zusammen gehört.
Die Formen gestalten sich dagegen uneinheitlich. Klare, moderne Linien finden sich nach wie vor in den Katalogen der Trendsetter. Daneben erlebt jedoch die Landhausküche eine Renaissance. Ob Cottage- oder mediterrane Finca-Küche – unabdingbar sind hier die Kassettenfronten aus stilvollem Holz.
Sonderwünsche sind für renommierte Hersteller kein Problem. Verspielte Zierelemente, grifflose Fronten oder gar ein integrierter Schreibtisch? Kein Problem! Die Küche von heute ist ein Alleskönner und dazu optimal ergonomisch. Die Höhe ist individuell wählbar und selbstverständlich nicht öde einheitlich. Wechselnd hohe Elemente unterstreichen den individuellen Charakter und schonen den Rücken. Die Spülmaschine neben dem Geschirrschrank platziert, spart Arbeitswege. So bleibt die Küche ein funktioneller Ort, jedoch im stilvollen Ambiente.
Die Einrichtungstrends 2011 setzen neue Schwerpunkte in Funktionalität und Optik. Markante Ecken und geraden Linien waren gestern. Im Wohnzimmer von heute finden sich geschwungene Formen und ein hoher Wohlfühlfaktor. Dazu gehört das plüschige Sofa mit Samtkissen am heimeligen Zimmerkamin ebenso, wie ein kuschelweicher Teppich. Vor die weiterhin geschätzte Wohnwand mit Flachbildschirm passt in diesem Jahr durchaus ein Fernsehsessel mit Rokkoko-Ornamenten. Und dies alles darf auch seinen Preis haben. Billigmöbel wandern – sofern es der Geldbeutel erlaubt – auf den Sperrmüll. Qualität setzt sich durch, die mehr verspricht, als nur Langlebigkeit. DER große Trend sind Naturmaterialien. Die Massivholzkommode steht typischer Weise vor einer Wand mit Naturstein. Auch Glaselemente passen gut zur neuen Natürlichkeit.
Entsprechend bewusst setzen sich die Verbraucher mit dem Thema Recyclebarkeit auseinander. „Cradle to Cradle“ bringt eine fast volle Wiederverwertbarkeit, statt die Materialien später auf die Deponie zu kippen oder geringerwertig zu recyceln.
Einige liebgewordene Dinge bleiben uns erhalten. Zum Beispiel die trendige räumliche Einheit von Wohnen, Kochen und Essen; gemütliche, verstellbare Polstersessel; Möbel, die frei im Raum stehen können, weil die Rückseite hochwertig verarbeitet ist; rechteckige Esstische mit rückengerechten Stühlen; sowie Induktionskochfelder und Dampfgarer. Neu im Trend sind private Spa-Oasen statt getrenntes Schlaf- und Badezimmer; dunkles Holz in Verbindung mit Glas und Edelstahl; Tapeten, deren Muster sich im Bodenbelag fortsetzen; Nanoveredelung für Oberflächen finden sich neben Bezugsstoffen im „Oma-Look“. Doch auch die Megafarbe Weiß ist definitiv noch in.
In kürze gibt es Gelegenheit, einen genauen Blick auf die neuen Kollektionen und Arrangements zu werfen. Die imm cologne 2011 (Internationale Möbelmesse in Köln) und LivingKitchen öffnen ihre Pforten vom 18. – 20. Januar für Fachbesucher und vom 21. – 23.1. für privates Publikum. Es findet jedoch kein Verkauf an Endverbraucher statt. www.immcologne.de