Archiv für die Kategorie 'Aktuelle Ausstellungen'

Andrea

Über Wut

Ausstellung, Filme, Diskurs, Performance, Wuträume

Im Haus der Kulturen der Welt, Berlin, vom 14.03. – 09.05.2010

„Gibt es eine neue Kultur der Wut?“, fragen die kosmopolitischen Macher im Haus der Kulturen der Welt provokant. Den Versuch einer Antwort wagen international anerkannte Künstler im Rahmen dieser ungewöhnlichen Veranstaltung. „ÜBER WUT“ nimmt sich der zerstörerischen Kraft dieser Emotion ebenso an, wie sie ihr Potenzial zur Veränderung durchleuchtet.

Vieldimensional nähern sich die Veranstalter einem der brennendsten Herausforderungen. Sie zeigen eine Ausstellung und Filme, bieten zudem eine Plattform für Lectures. „Wuträume“ ermöglichen die eigene kreative Auseinandersetzung mit dem Thema, das in einem „Wut-Gipfel“ mündet. Teils feinfühlig, teils von schwer aushaltbarer Intensität durchdrungen, erwarten den Besucher Werke, die sich dem Zustand der Wut auf allen Ebenen widmen. Verschweigen auch nicht die seelischen Nachbeben nach der Entladung.

Zu sehen sind unter anderem großflächige Zeichnungen Seher Shahs. 1975 in Pakistan geboren, lebt sie heute in den USA und erschafft Landschaften, die wie Seelenbilder anmuten. Dem Märtyrerkult widmet sich der gebürtige Iraner Shoja Azaris in seiner Videoarbeit „Final Judgement“. Beitrag des US-Amerikaners Jimmie Durhams ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gründungsmythos seines Heimatlandes. Die Eröffnungs-Performance gestaltet Regina José Galindos, in der sie koloniale Ausbeutung mit der Gewalttätigkeit des „Dritten Reichs“ verknüpft.

Filmisch verarbeitet sind Themen wie der Zerfall eines Staates durch Bestechlichkeit und negieren jeglicher Ordnung („Orchesterprobe“/ Regie Fellini). Bilder und Töne aus Palästina, Nazideutschland, Lateinamerika und Vietnam wechseln und mischen sich in „Hier und anderswo“ (Regie Godard). Einblick in ethnischen Hass am Beispiel Indiens gewährt „Final Solution“ (Regie Sharma). Rainer Werner Fassbinder erzählt die Geschichte eines Amokläufers („Warum läuft Herr R. Amok?“).

Diese umfangreiche, differenzierende Veranstaltung birgt mehr Facetten und Werke, als sich hier aufzählen lassen. Genaue Informationen liefert das Internet unter: www.hkw.de.

Die Ausstellung „Mein zweites Ich“ – wird noch bis zum 17.Januar 2010 in Bonn im August Macke Haus zu sehen sein. Zum ersten Mal wird die künstlerische Auseinandersetzung mit Mackes Lebensgefährtin Elisabeth Gerhardt beleuchtet. August Macke porträtierte seine Lebensgefährtin im Laufe seines Schaffens in vielen seiner Werke, genauer in mehr als 200 Arbeiten. Macke selbst bezeichnete seine Lebensgefährtin als sein zweites Ich, als sein Spiegel zur Seele, in dem er sich am liebsten sieht. Elisabeth Gerhardt war Mackes Frau, inspirierende Muse und liebstes Model, die er 1903 kennenlernte und im Jahre 1909 heiratete. Die Lebensfreude und das Glück spiegeln sich in Mackes Werken wieder.

Jetzt, zum 20 jährigen Bestehen des August Macke Haus in Bonn, versucht der Verein die Geschichte und das gemeinsame Leben von Elisabeth und August Macke in einer besonderen Ausstellung nachzuzeichnen.

Eine interessante Ausstellung, die August Mackes Werke in einem anderen Licht erscheinen lassen und die von einer harmonischen und glücklichen Lebensgemeinschaft erzählt, wie man sie kaum bei anderen Künstlern findet. Noch nie hat ein Künstler seine eigene Lebensgefährtin so oft porträtiert wie August Macke es tat.

Weitere Infos auf der Webseite vom August Macke Haus

Der französische Künstler Vincent Michèa zeigt in seiner zweiten Ausstellung in Köln die Verschmelzung der Themen „Architektur der Hauptstadt Dakar” und der „Populärmusik Westafrikas”.  Der Franzose wurde 1963 in Dakar geboren und seine plakativen Acryl- Gemälde von 2009 sind eine Korrespondenz der Kulturen. Verschiedene Ethnien (Gemeinsamkeiten / Verbundenheit) wie die Musik und die Architektur sind Grundpfeiler seiner Werke.  In Paris ist ein Treffpunkt von durch das französische Bildungssystem sehr von ihren eigenen Wurzeln entfremdeten afrikanischen Intellektuellen, die nun eine Rückbesinnung auf ihr afrikanisches Erbe fordern.1960 schwappte diese Bewegung hinüber bis nach Dakar und drückt sich dort nun in der Architektur aus. Der Staat versucht mittels großzügiger Alleen und sternförmiger Plätze dem französischen Vorbild näher zu kommen und drückt damit seine Kontrolle und Macht aus. Im Gegensatz dazu stehen die plastische Gestaltung von Fassaden und die Stoffe mit traditionellen Mustern in Bezug auf die Ornamentik der Gebäude. Die Vergangenheit Dakars droht zu verschwinden. 

Das zukunftsorientierte „Tour Khaddafi” hat wenig mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes zu tun. Sogar der westafrikanischen Musik droht das Aus. Mambo, Jazz und Samba, senegalesische Elemente und das afro- kubanische scheinen unterzugehen. In den Bildern Michèas findet sich eine Synthese aus Musik, Film und Architektur. Dieser krasse Gegensatz macht den Reiz seiner Gemälde aus. Abfotografierte Bildquellen in der Rastertechnik werden von ihm digital bearbeitet und gelangen dann in Umrissen auf die Leinwand, erst danach beginnt er zu malen. Er nutzt recht wenige Farben und verzichtet auf Tiefendimensionen. Seine Bilder sind eine Hommage an die „B- Seite” der Stadt und heißt „Dakar, Zone B”.

50674 Köln
Brüsseler Str. 4
Fon: +49.(0)221.222 99 793

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